GDT Heilpraktikerschule Siegburg

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Gedächtnisprotokoll von H. S.

Prüfungszeit: Sommer 2009 – der letzte Prüfungstag! – schriftliche Prüfung im Frühjahr 2009, war aber für mich gut – ich hatte so noch genügend Zeit, mich auf diese Prüfung vorzubereiten

Prüfungsdauer: ca. 45-50 Minuten

Meine Prüfung fing ca. eine ½ Stunde später an; kann also auch passieren – da heißt es möglichst locker bleiben…. Der Prüfling vor mir hat bestanden…

Etwas oberhalb des Prüfungsraumes auf einer „Empore“ ist der Wartebereich. Dort kam vor der Prüfung eine der Beisitzerinnen vorbei, um die Auslagen zu kassieren. Auf der Quittung habe ich schon mal die Namen beider Beisitzerinnen gelesen. Kurze Zeit später wurde ich hinein gebeten.

Prüfungsraum: Der Prüfungsraum ist ca. 15 – 20 qm groß, hell und dank besten Sonnenscheins erschien er mir auch „freundlich“. Links steht eine Untersuchungsliege. Die drei Damen, die mich geprüft haben, saßen mir direkt gegenüber; getrennt nur durch einen Tisch; der Abstand betrug also maximal 1,50 m. Ich habe – bei der Amtsärztin angefangen – den Damen die Hand geschüttelt. Alle Drei haben meine gesamten Aussagen protokolliert. Die Amtsärztin macht teilweise Fragezeichen oder einen Haken an die Antworten – davon sollte man sich nicht verunsichern lassen….

Ablauf: Zunächst wurde ich gefragt, ob ich mich in der Lage fühle, die Prüfung zu absolvieren. Dann wird das Aufzeichnungsgerät eingeschaltet. Ein paar Formalien werden zunächst drauf gesprochen, dann die Frage, ob ich eine der Beisitzerinnen vom Unterricht kenne, was ich mal machen möchte, ob ich aus dem Gesundheitsbereich komme und was ich beruflich gemacht habe. – Eine Art Warming-up. Eure Antworten können im Verlaufe der Prüfung eventuell aufgegriffen werden. Daraufhin geht es auch schon los… Die Amtsärztin stellt die ersten Fragen und die meisten Fragen; danach kommen die Beisitzerinnen dran.

Einschätzung: Meiner Einschätzung nach geht es in der Prüfung um folgende Dinge:

1/3 äußeres Erscheinungsbild und Auftreten

  • mein Tipp – nicht zu förmlich – kein Anzug oder Krawatte ist notwendig, aber auch nicht zu alternativ, ich denke ordentliche Kleidung ist schon angesagt

  • je natürlicher Ihr auftretet, desto einfacher wird es – nicht verstellen oder etwas vorspielen -

  • möglichst ruhig bleiben und vor allen Dingen freundlich sein

  • im Verlaufe der Prüfung habe ich immer wieder alle Prüferinnen angeschaut

  • das Reden sollte man vorher üben, also möglichst oft anderen Personen über Euer Wissen frei erzählen und Euch abfragen lassen; ich habe damit schon Monate vor der mündlichen Prüfung angefangen. – im Idealfall kommen die Antworten – nach kurzer Überlegung – recht flüssig und ohne großes Stocken.

  • Wenn ich etwas nicht wusste bzw. mir keine weiteren Symptome mehr einfielen, habe ich klar gesagt, okay mehr weiß ich (leider) nicht

1/3 das fachliche Wissen

  • Es gibt wirklich sehr viel zu lernen, das solltet Ihr nicht unterschätzen. Dennoch habe ich z. B. Mut zur Lücke gehabt und mir vor der mündlichen Prüfung keine Psychologie angeschaut. Und die Sinnesorgane eher weniger….

  • M.E. kommen in der Prüfung auf jeden Fall folgende Dinge vor:

    • 1 Fall zur DD mit Hintergrund Notfall oder Behandlungsverbot – von daher als mehr oder weniger erste Frage Puls und Blutdruckwerte abfragen – Schock! bei Puls auf jeden Fall die Rhythmik nicht vergessen – unrhythmisch – Verdacht auf Herzinfarkt! – direkt Notarzt rufen, dann habt Ihr Zeit für die weitere Untersuchung; ein sinnvolles Anamneseschema und Untersuchungsschema durchgehen; später Handling eines Notfalls oder Behandlungsverbots und Meldepflicht beachten!!!

    • die theoretische Erklärung von Untersuchungsmethoden – von daher immer schön fleißig praktisch üben und auch die ganzen Methoden mündlich erklären können

    • ein Leitsymptom zur DD, z. B. Welche Ursachen fallen Ihnen ein zu Kopfschmerzen/Schwindel/Lymphknotenschwellung?

    • Eventuell etwas Praktisches – Blutdruck messen, stabile Seitenlage, Reflexe auslösen, Infusion an einem Gummiarm anlegen – die Praxis am besten immer wieder üben; alle zwei Wochen freitags Ambulatorium bei Wolfgang und Petra Scharwächter kann ich nur wärmstens empfehlen –

    • weitere Fragen zu allen möglichen Gebieten und Themen

1/3 Glück/Schicksal/der richtige Zeitpunkt

Wichtig ist es, sich ordentlich auf die Prüfung vorzubereiten und viel zu wissen. Dennoch wünsche ich allen die „richtigen“ Fragen, die zum Bestehen verhelfen…

Die Prüferinnen: Ich habe alle drei Prüferinnen als sehr nett und freundlich erlebt, die mir an manchen Stellen auch weiter geholfen haben. Ich hatte glücklicherweise auch die richtigen Fragen, die ich recht flüssig und z. T. auch ausführlich beantworten konnte…

Frageprotokoll: Anbei nun endlich das Frageprotokoll. Es kann sein, dass ich die ein oder andere Frage vergessen habe… Bei mir kam keine praktische Einheit vor. Ich werde nur manche Antworten geben, da ich es besser finde, sich selbst die Antworten zu erarbeiten – vor allen Dingen wegen der Vollständigkeit…. Wenn Ihr zu einer Frage viel wisst, erzählt alles, was Ihr wisst – es sollte natürlich Hand und Fuß haben. Also man kann ruhig etwas ausholen und alles gelernte erzählen. Wenn es genug ist, werdet Ihr unterbrochen… Aber Ihr habt schon mal Euer Wissen gezeigt….

  1. Welche Reflexe können Sie beim Patienten auslösen?

  2. Wann ist der Achillessehnenreflex vermindert bzw. gar nicht auslösbar?

  3. Was verstehen Sie unter Polyneuropathie?

  4. Was fällt Ihnen zur Desinfektion ein?

  5. Wie untersuchen Sie die Leber? Welche Laborwerte zur Leber gibt es?

  6. Was wissen Sie über die Virus-Hepatitiden?

  7. Fallbeispiel: Ein 40 jähriger Patient ruft Sie an und bittet um einen Hausbesuch. Er hat seit 3 Wochen Schmerzen im Oberbauch bei Nahrungskarenz und nachts. Die Schmerzen bessern sich, wenn er Nahrung zu sich nimmt. Seit heute Morgen hat er akute Atembeschwerden (Dyspnoe) und er fühlt sich schlecht.

Ich fahre also zum Patienten zum Hausbesuch. Im Hinterkopf habe ich ein chronisches Erscheinungsbild (seit 3 Wochen) – da weiß ich aufgrund der Beschreibung, dass sich es um ein Ulcus duodeni – ein Dünndarmgeschwür handelt (DD Ulcus ventriculi!) – habe ich aber am Anfang noch nichts zu gesagt. Des weiteren habe ich akute Erscheinungen, die mich an einen Notfall denken lassen. Von daher erfrage ich als allererstes die Vitalzeichen Puls und den Blutdruck. Puls: 95. Ich erfrage die Rhythmik (wegen Herzinfarkt) – rhythmischer Puls.

Ich bewerte den Puls als fast tachykard – Tachykardie ab 100 Schlägen pro Minute.

Blutdruckwerte: 100:60. Ich bewerte den Puls als sehr niedrig – hypoton.

Nun setze ich Puls und den systolischen Blutdruck ins Verhältnis und erhalte einen drohenden Schock – 0,95. Ab 1,5 manifester Schock. Aufgrund dessen rufe ich jetzt den Notarzt. Nun habe ich Zeit, den Patienten weiter zu untersuchen. Ich beginne hier meine Anamnese – werde aber mit dem Hinweis unterbrochen, dass es keine weiteren wichtigen Daten gibt. Jetzt will ich mit der Untersuchung anfangen – IPPAF – von Kopf bis Fuß – dann aber Hinweis, ich solle mich auf die relevanten Dinge konzentrieren.

Also Lunge – Palpation, Perkussion, Auskultation – Lunge o.B.

Leber vergrößert? – Leber o.B.

Milz vergrößert? – Milz o.B.

Appendizitis-Zeichen? – o.B.

Abtastung Abdomen – Druckschmerz am Dünndarm

Blase – Blase o.B.

Inspektion Beine – o.B.

Hiermit schließe ich die Untersuchung ab und teile meinen Verdacht auf ein Ulcus duodeni mit, das akut blutet. Frage nach Veränderungen im Stuhl – o.B., heute noch kein Stuhlgang. Bin dann kurz verwirrt, bekomme aber den Hinweis, dass ich doch schon richtig liege. Da fällt es mir ein. Die akute Blutung verursacht einen hypovolämischen Schock, der die akuten Symptome verursacht. Also meine Diagnose steht jetzt: Ulcus duodeni mit akuter Blutung, die einen hypovolämischen Schock verursacht.

Was tun Sie jetzt? Gut den Notarzt habe ich bereits am Anfang gerufen, jetzt lege ich den Patienten mit Beinen hoch und Oberkörper flach – wegen Autotransfusion; überprüfe engmaschig die Vitalzeichen und lege einen Venenverweilkanüle mit Gabe von Natrium- Chlorid und großer Volumenzufuhr.

  1. Bei der Untersuchung fällt Ihnen eine Zecke am Nacken der Patientin auf? Was tun Sie?

Ich bin verunsichert, weil ich nicht weiß, ob ich die Zecke herausnehmen darf und verweise auf Lyme-Borreliose und FSME. Und die Zecke? Da lasse ich die Patienten ins Krankenhaus fahren… Also ich erzähl hier etwas Blödsinn…. Nach nochmaliger Nachfrage

revidiere ich meine Meinung, dass ich die Zecke doch entferne und die Patientin nach einigen Tagen zu einer Nachuntersuchung kommen lasse. Jetzt fällt Ihnen bei der Patientin ein roter Kreis um den Einstich auf! – Erythema migrans – Wanderröte, kann sich bis zu 30 cm um die Einstichstelle vergrößern mit roter Färbung – die Mitte kann später verblassen.

Der Erreger? Burrelia burgdorferi u.a. also besteht nach § 7 IfSG im Zusammenhang mit

§ 24 Behandlungsverbot für den Heilpraktiker

Was macht der Arzt? Der gibt Antibiotika.

  1. DD untere Rückenschmerzen

  2. Welche (orthopädischen) Tests können Sie durchführen – im Zusammenhang mit den Rückenschmerzen?

Okay danke das wars… Bitte warten Sie draußen. Dort wartet schon die nächste Prüflingskandidatin. Die klärt mich auf, dass ich die Zecke hätte entfernen dürfen…

Ich werde wieder hinein gebeten. Wie schätzen sie sich selber ein?

Daraufhin kommt die Einschätzung der Amtsärztin; ich habe wohl bei der Überprüfung der Reflexe die Reflexantwort von Bizeps- und Trizepssehnenreflex vertauscht; ebenso bei der Palpation der Leber das Vorgehen bei Ein- und Ausatmung. Ihr seht, Ihr dürft auch (kleinere) Fehler machen und manche Dinge nicht 100% wissen, wenn der Gesamteindruck stimmt.

Letztendlich habe ich die Prüfung bestanden. Vielen Dank an alle, die mich in der gesamten Lern- und Ausbildungszeit unterstützt haben.

Euch allen viel Glück bei Eurer Prüfung!!!