GDT Heilpraktikerschule Siegburg

Schule Ausbildung Fortbildung Termine Berufsbild Links

Gedächtnisprotokoll von A. L.

Prüfer: Frau Dr. L., Frau R.

Frau R. wirkt beim Kassieren kühl, Frau Dr. L. ist sehr freundlich und gut im Kontakt. Bei der Begrüßung fragte Frau Dr. L., ob ich damit einverstanden sei nur eine Beisitzerin zu haben.

Frau Dr. L.: Was wollen sie später arbeiten und was haben sie bis jetzt so gemacht?
Ich arbeite seit über zehn Jahren hauptberuflich mit ganzheitlicher Massage. Jetzt möchte ich mich weiterentwickeln: Ich plane eine Ausbildung in Richtung sanfte Osteopathie, Wirbelsäulen-Therapie nach Dorn und klientenzentrierte Psychotherapie.

Frau Dr. L.: Bitte nennen Sie mir die Leitsymptome eines Bandscheibenvorfalls.
Zunächst einmal wird der Patient große Schmerzen haben, je nach Lokalisation im Lenden- oder Halswirbelbereich. Unter Umständen findet sich auch eine Schmerzausstrahlung in Arme oder Beine u. Sensibilitätsstörungen. Vielleicht nimmt der Patient auch eine Schon- oder Fehlhaltung ein. Beim Cauda-Syndrom haben wir eine sog. Reithosenanästhesie und Ausfälle der Blasen- und Darmfunktion. Dies ist ein Notfall, der eine sofortige Einweisung in eine neurochirurgische Klinik nötig macht.

Frau Dr. L.: Wie untersuchen Sie den Bandscheibenvorfall?
Beim LWS-Syndrom untersuche ich das Kernig und Lasegue-Zeichen. ( Mußte genau Beschreiben, wie ich das mache.) Und ich überprüfe die Reflexe: Achillessehnen, Patellasehnen und Fersen- und Zehenstand.
Beim HWS-Syndrom untersuche ich das Lhermitte-Zeichen sehr vorsichtig und die Armreflexe: Bizeps-, Trizeps-, und Radius-Periost. Bei positiven Befunden sofort zum Orthopäden oder Neurologen schicken zur weiteren Abklärung: Röntgen oder Kernspin

Frau Dr. L.: Welche Ursachen hat eine Arteriosklerose?
Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus, Rauchen, Bewegungsmangel. In jüngeren Jahren haben Männer ein erhöhtes Risiko aber nach der Menopause ziehen die Frauen wieder gleich.

Frau Dr. L.: Ja das sind die Wesentlichen – Nennen sie bitte die Blutfettwerte:
Triglyzeride sollten kleiner 150 mg/dl liegen – das Gesamtcholesterin kleiner 200 mg/dl – Das HDL sollte möglichst größer 40 mg/dl und das “böse” LDL möglichst kleiner 130 mg/dl liegen.

Frau Dr. L.: Was geschieht denn dann am Herzen?
Tja, der Herzmuskel muß sich mächtig anstrengen genug Blutvolumen in die starren Rohre zu pumpen. In der Folge wird der Herzmuskel groß und größer bis er das kritische Herzgewicht von 500 g erreicht. Dann wird der Eigenbedarf an Blut so groß, daß sich eine KHK entwickeln kann.

Frau Dr. L: Das passiert schon vorher! Was geschieht denn weiter?
Ja klar! Irgendwann wird der Herzmuskel müde und leiert aus! (An dieser Stelle mußte Frau Dr. herzhaft lachen) Oh pardon, es kommt zu einer Dekompensation und der Herzmuskel dilatiert.

Frau Dr. L: Stellen Sie sich nun einmal vor, es kommt eine 60-jährige Patientin zu ihnen, die glaubt, daß Sie eine Diabtes-Erkrankung haben könnte. Was tun Sie mit ihr?
Also sie kommt zum ersten Mal und hat sonst keine akuten Symptome?

Frau Dr. L.: Genau!
Also hier würde ich eine komplette Anamnese erheben und eine Ganzkörperuntersuchung durchführen. Ich fing an mein umfangreiches Anamneseschema abzuspulen…

Frau Dr. L.: Ich sehe, daß sie das beherrschen, wir kürzen das jetzt mal ab: Die einzigen pathologischen Befunde: Mäßiges Übergewicht und RR 160/95 Was machen Sie jetzt?
Den Nüchtern-Bluzucker bestimmen und den oralen Glucose-Toleranz-Test durchführen.

Frau Dr. L.: NBZ: 150 mg/dl und OGTT 2 h Wert: 210 mg/dl.
So der Verdacht hat sich erhärtet, es liegt bei der Dame ein Diabetes vor. Ich würde sie jetzt zu ihrem Hausarzt schicken zur medikamentösen Einstellung und dann soll sie mit allen Ergebnissen zurück zu mir zur Ernährungsberatung und Motivierung zum Sport!

Frau Dr. L.: Woran erkennen Sie eine Schulterluxation?
Da fällt mir sofort das Schlagwort ein: Federnde Fixation – (habe das genau beschrieben) andere Luxationszeichen: Schmerz, eingeschränkte Bewegung etc.

Frau Dr. L: Wie erkennen Sie eine Depression?
Die Depression ist eine affektive Störung, die durch eine große Traurigkeit, Antriebslosigkeit, und ein typisches Morgentief geprägt ist. (Hier habe ich noch ganz viel erzählt, wie ein depressiver Mensch wirkt, daß ihm alltägliche Verrichtungen unendlich schwerfallen, Suizidgefahr etc.)

Frau Dr. L: Was macht das für körperliche Symptome?
(Hier wußte ich nicht so recht, was sie noch hören wollte)
Ähh… ja, ich könnte mir vorstellen, daß die schwere Stimmungslage auf das Vegetativum Einfluss nimmt… also die ganze Palette der somatoformen Störungen.

Frau R.: Es kommt eine Mutter mit einem Kind (9) zu ihnen, das gerade einen Unfall gehabt hat. Das Mädchen ist die Steintreppe heraufgefallen und hat sich am Schienbein verletzt.
(Ich wußte irgendwie sofort, daß die Sache auf eine Milzruptur hinauslief und habe mir erlaubt – nachdem ich ja vorher gezeigt hatte, daß ich gründlich fragen und untersuchen konnte – sofort den Bauch anzusehen.) Und siehe da: Hämatome und Schmerzen! Habe dann alles über die Milzruptur erzählt und auch über das Phänomen der zweizeitigen Ruptur. Und jede innere Blutung führt zwangsläufig in einen hypovolämischen Schock. (Mit einfachen Worten Pathogenese des Schocks erklärt.)

Frau R.: Wie erkennen Sie denn einen Schockzustand?
Bei einem neunjährigen Kind funktioniert der Schockindex für Erwachsene nicht, da Kinder ja eine viel höhere Pulsfrequenz haben. Der physiologische Wert bei einem 9-jährigen Kind liegt wohl bei 85.
Wie ist Puls und Blutdruck?

Frau R: Puls ungefähr 90, Blutdruck 100/irgendwas.
Sieht sie denn bleich aus?

Frau R: Ja. Wie erkennen sie denn jetzt einen Schockzustand bei einem Kind?
Auf jeden Fall wird die Pulsfrequenz steigen und der Blutdruck abfallen! Außerdem wird das Bewußtsein zunehmend eintrüben und die Haut wird kalt und blaß an den Extremitäten.

Frau R: Ok – das liegt alles vor! Was tun Sie jetzt?
Ich verständige sofort den Notarzt und lege in der Zwischenzeit einen venösen Zugang und infundiere NaCl.

Frau Dr. L: Wieviel?
500 ml und stelle eine ordentliche Tropfgeschwindigkeit ein.

Die beiden guckten sich mal an und fragten dann: Was ist das denn?

Ich lasse laufen! (Schallendes Gelächter)

Frau R.: Und was ist mit der Schienbeinverletzung?
Oh ja die Wunde! Wird von mir “erstversorgt” (mit Betaisodona desinfiziert und Kompressionsverband, da es stark blutete)

Frau R.: an Frau Dr. L.: Wollen wir noch eine i.v. Injektion sehen?
Frau Dr. L.: Nein, ist in diesem Fall nicht nötig! (zu mir) Bitte warten Sie noch ein paar Minuten draußen.

Ich wußte gar nicht, wie mir geschah – nach 30 Minuten stand ich also wieder auf dem Gang.
Die Atmosphäre war richtig gut – locker, leicht und humoristisch! Ich erlebte mich auch die ganze Zeit sehr ruhig, und hoch konzentriert. Ich habe mir auch Zeit zum Nachdenken und Sprechen gelassen. Ich hatte einen guten Zugriff auf alles Gelernte. Als ich wieder reingerufen wurde, gratulierte mir Frau Dr. L. sehr herzlich und fragte mich, wie ich mich denn vorbereitet hätte.

Ich danke allen, die mich in der schwierigen Zeit vor der Prüfung begleitet und unterstützt haben!
Insbesondere danke ich Lynn H. für ihre ganzheitliche Prüfungsvorbereitung – einsame Spitze!
Arno S., auch dir nochmals Anerkennung und Dank besonders für die mentale Vorbereitung im Rahmen des Repetitoriums. Ich danke auch Wolfgang Scharwächter besonders für die sehr authentische Prüfungssimulation und die tausend guten Hinweise im Untersuchungs-Seminar.
Ich danke besonders Sandra, die so viele Stunden mit mir gelernt hat und mir im Sommer in meiner Tiefphase sehr beigestanden hat!.
Und ich danke Eva für ihre Freundschaft, die klugen Gespräche und genialen Erklärungen: live und am Telefon – und auch noch in letzter Sekunde (Schockzeichen bei Kindern!)
Eva, Dorothe und vielen Anderen danke ich für die energetische Unterstützung während der Prüfung.

Walter, deine Unterstützung auf allen Ebenen und besonders in der letzten Zeit vor der Prüfung und an dem Tag selbst war unglaublich! Dafür liebe ich dich noch mehr!

Mein persönliches Fazit: Die ganze Prüfungszeit war ein enormer innerer Prozess – eine Inititation! Es gab so Vieles, was ich lernen durfte! Alle Lebensthemen tauchten wieder auf!
Aber das Wichtigste geschah am Ende:
Ich habe eingesehen, daß Anstrengung, Kampf und den “Willen durchsetzen wollen” nichts bringt als Leid und Mißerfolg. Erst als ich wirklich “abgegeben” hatte und darauf vertraut habe, daß das, was geschehen soll, auch geschehen wird, lief es richtig “rund”. Da konnte ich “locker” weiterlernen und habe es verstanden auch noch einiges an Spaß einzubauen.

Allen zukünftigen Heilpraktikern wünsche ich eine bereichernde Zeit, und in Klausur und mündlicher Prüfung das nötige Glück und viel Erfolg!

Annette