Prüfer: Frau Dr. Lampe, Herr Herbsthoff HP und Frau Flach HP
Ich war sehr pünktlich im Gesundheitsamt Köln und fühlte mich in meiner Mitte und auch sehr ruhig. Vor der Tür wurden zunächst von Herrn Herbsthoff die beiden Kuverts mit den Gebühren für die Beisitzer in Empfang genommen. Kurze Zeit später wurde ich hineingebeten. Nach einer freundlichen Begrüßung und der Frage ob ich mich gesundheitlich imstande fühle die heutige Überprüfung zu absolvieren, wurde ich um Einverständnis für die Tonaufnahme der Prüfung gefragt. Außerdem wurde ich noch gefragt: wie ich mich vorbereitet hatte und ob ich beruflich aus dem Fach komme. Anschließend kam die Frage: was ich später machen möchte. Ich berichtete dass ich mich für die Akupunktur, die Homöopathie und die Dorn-Therapie interessiere. Danach wurden mir folgende Fragen gestellt.
Fragen von Frau Dr. Lampe:
1. Welche unterschiedlichen Untersuchungsbefunde gibt es bei der Untersuchung von Säuglingen und Kleinkindern gegenüber größeren Kindern und Erwachsenen?
Hier: Worauf ist insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern zu achten?
(Oh weija, dachte ich und wurde nervös, warum hatte ich nur vergessen, dass Frau
Dr. Lampe Kinderärztin ist und mir die Kinderuntersuchung nicht noch mal angeschaut)
Ich nannte dann die Pyramidenbahnzeichen (z.B. Babinski, Gorden, Oppenheim) die im Säuglingsalter physiologisch sind und mir fielen noch Saugreflex (verschwindet ca. im
3. Mon.), Schreitphänomen (verschwindet ca. im 4. Mon.), Greifreflex (verschwindet ca. im 5. Mon.) und oraler Suchreflex (verschwindet ca. im 6. Mon.) ein.
Fr. Dr. Lampe wollte dann noch wissen, wie es mit den Knochen aussieht?
Die Fontanelle schließt sich erst im 2. Lebensjahr, sagte ich dann.
Das reichte Frau Dr. Lampe noch nicht und sie sagte: denken Sie doch mal an die Hüfte. Es dauerte einige Sekunden doch dann fiel mir die Hüftdysplasie ein, da auch meine Tochter im 1. Lebensjahr eine Hüftbeugeschiene tragen musste. Und ich konnte noch sagen, dass man das bei angewinkeltem Bein mittels Abduktion überprüft.
2. Nennen Sie mir DD Miosis?
Da fielen mir nur: Medikamente, Drogen, Horner-Syndrom ein.
3. Nennen Sie mir Ursachen und Symptome eines Pleuraergusses?
(langsam wurde ich wieder ruhiger) Ein Pleuraerguss ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle. Sie kann entstehen durch: Entzündungen, Tumoren, im Rahmen einer Rechtsherzinsuffizienz, Verletzungen; Symptome: Atemnot und atemabhängige Schmerzen im Brustraum
4. Welche Untersuchungsbefunde gibt es bei einen Pleuraerguss?
Die Perkussion ist gedämpft; der Stimmfremitus aufgehoben und die Atemgeräusche sind abgeschwächt.
5. Was versteht man unter einer Fazialisparese?
Eine Fazialisparese oder auch Fazialislähmung, ist eine Lähmung der Gesichtsmuskeln einer Gesichtshälfte durch die Schädigung des VII. Hirnnerv des Nervus facialis. Folgende Bewegungen sind nicht mehr möglich: Stirnrunzeln, Wangen aufblasen und Zähne zeigen. Das Augenlid (das war nicht ganz richtig!) und der Mundwinkel auf der betroffenen Seiten hängen herab. Und mir fiel noch das Bell-Phänomen ein.
6. Dann machen wir mal einen Fall: Eine Frau 45 Jahre mit Mundwinkelrhagaden kommt zu Ihnen. Was machen sie?
Um mir erst einmal einen Systemüberblick zu verschaffen, beginne ich mit einer ausführlichen Anamnese. Ich fragte nach Größe, Gewicht, Hautfarbe und Farbe der Konjunktiven, Blutdruck, Puls, Blutzucker, Familie, Ernährung, Trinkverhalten, Harn- und Stuhlverhalten, sowie nach den Combur10-Werten?
Antwort: 1,72 Meter, 55 Kg, blasse Haut und blasse Konjunktiven, 110/65 mmHg, 80, 120 (aber nicht nüchtern), Urin o.B., Mutter von 3 Kindern, Ernährung normal, Trinkverhalten normal, Harn- und Stuhlverhalten unauffällig.
Weiter fragte ich nach Medikamenten, OP’s, Unfälle, andere Beschwerden?
Antwort: Nein nichts derart, nur oft müde und abgeschlagen.
Ich lasse ein Labor machen: BB, sowie Eisen, Ferritin und Transferrin?
Antwort: Hb 10,4; Eisen erniedrigt, Ferritin erhöht, Transferrin normal
Mache nun eine körperliche Untersuchung. Bin von Kopf (Mundhöhle, Ohren, Nase, Augen) über Hals (Venen, Lymphknoten, Schilddrüse), Thorax (Herz-/Kreislaufsystem und Lunge) alle Untersuchungsmethoden durch.
Alles unauffällig.
Untersuche weiter das Abdomen: erst leichte beim 2. Durchgang der 4 Quadranten tiefere Palpation, sowie Leber und Milz.
Alles unauffällig.
Untersuche noch abschließend die Extremitäten nach Varizen, Ödemen, Hämatomen, etc.
Antwort: bei der körperlichen Untersuchung ist alles ohne Befund
Ich äußere meine Verdachtsdiagnose: Eisenmangel- bzw. Blutungsanämie und sagte, dass ich die Patienten zur weiteren Abklärung zu einem Internisten schicken würde. (später nach der Prüfung sagte Fr. Dr. Lampe mir, dass ich das gut gemacht hätte. Ihr hätte aber noch ein Hämocculttest gefehlt.)
7. Welche Impfungen nach der STIKO für Kleinkinder werden empfohlen?
Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO – letzter Stand: 28.6.2006) empfiehlt für Säuglinge und Kleinkinder die folgenden Impfungen: Diphtherie, Tetanus, Haemophilus influenzae Typ B, Hepatitis B, Pertussis und Polio (hätte ich fast vergessen) und später ab dem 12. Monat noch Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (gegen Meningokokken hatte ich hier vergessen).
8. Was versteht man unter einer schlaffen Lähmung und wodurch kann sie entstehen?
Unter einer schlaffen Lähmung oder auch peripheren Lähmung ist eine vollständige Lähmung der Skelettmuskulatur zu verstehen. (wie bei der Querschnittslähmung? fragte Frau Dr. Lampe). Ja, sagte ich. Sie entsteht durch eine Schädigung des 2. Neuron der motorischen Nervenbahn (durch z.B. Traumen, Entzündungen, Tumoren).
9. Welche Symptome treten bei der schlaffen Lähmung auf?
Der Ruhetonus der Muskulatur ist hypoton, die Muskeleigenreflexe sind abgeschwächt bis erloschen und die Pyramidenbahnzeichen sind nicht vorhanden, fiel mir ein. (kurzweilig war ich etwas unsicher, da ich befürchtete die schlaffe und spastische Lähmung nun verwechselt zu haben. Aber dann nickte Frau Dr. Lampe – richtig, und ich war erleichtert).
10. Welche Erkrankungen sind für den Heilpraktiker meldepflichtig?
Ich zählte annähernd alle 16 Infektionserkrankungen nach §6 des Infektionsschutzgesetzes IfSG auf: Botulismus, Cholera, Diphtherie, u.s.w.
weitere Fragen von Herrn Herbsthoff HP
11. Nennen Sie mir DD: Schlafstörungen
Durch Stress, Ärger, sorgenvolle Gedanken, Ängste, schwere, schmerzvolle Erkrankungen, Hormonstörungen (Melatoninhaushalt erniedrigt), Demenz oder durch anderweitige psychologische Erkrankungen.
(Herr Herbsthof war nicht ganz zufrieden, er wollte noch mehr hören => z.B. Medikamente hatte ich hier total vergessen)
12. Nennen sie den Unterschied zwischen einer arteriellen und einer venösen Durchblutungsstörung? Sowie deren Ursachen und Symptome?
Arteriell => durch Gefäßwandschäden, wie bei Bluthochdruck, kleinste Verletzungen der Intima, Diabetes mellitus, Lipidablagerungen (Hyperlipidämie), durch Arteriosklerose (Verdickungen, Verhärtungen) und auch durch Bewegungsmangel und Stress; Folgeerkranungen: KHK, pAVK, akuter Arterienverschluss, Vaskulitiden, Aneurysmen
Venös => durch Krampfaderleiden, Rauchen, Übergewicht, Alkohol und Obstipation
Folgeerkranungen: Thrombophlebitis, Phlebothrombose, CVI.
Bei einer arteriellen Durchblutungsstörung ist die Extremität blass, kalt und pulslos. Hier muss der Patient schnell ins Krankenhaus um den Embolus aufzulösen oder ihn operativ zu entfernen, da sonst die Extremität amputiert werden müsste. Bei der venösen Durchblutungsstörung ist die Extremität ödematös, überwärmt und gerötet. Hier muss zwischen einer Thrombophlebitis (einer oberflächlichen Venenentzündung) und einer Phlebothrombose (einer tiefen Venenentzündung) unterschieden werden. Bei der Thrombophlebitis (druckschmerzhafter Venenstrang, evtl. mit lokaler Schwellung) sind Kompressionsverbände und viel Bewegung angesagt. Nachts wird das Bein hochgelagert. Bei der Phlebothrombose (Schwere- und Spannungsgefühl, tlw. mit Fieber) sind ebenfalls Kompressionsverbämnde angesagt, aber hier eine streng Bettruhe und blutverdünnende Medikamente. Zur Diagnostik: Homans-, Payr-, und Meyer-Zeichen.
13. Wie werden Verbrennungen eingeteilt?
Verbrennungen werden einmal der Fläche nach der Neunerregel eingeteilt. Beim Erwachsenen: 9% Kopf, 9% je Ober- und Unterarm zusammen, 9% je Oberschenkel,
9% je Unterschenkel und Fuß, 2 mal 9% vorderer Rumpf und 2 mal 9% hinterer Rumpf und 1% für die Hände. Erwähnte dann noch, dass es bei Kindern und Säuglingen kleine Abweichungen von der Neunerregel gibt.
Nach welchen Schweregraden werden Verbrennungen eingeteilt, wollte Herr Herbsthoff wissen. Man unterscheidet hier drei Schweregrade: 1. Grad => Schwellung und Rötung, es bleiben keine Narben; 2. Grad => Brandblasen, starke Schmerzen, Abheilung tlw. mit Narbenbildung; 3. Grad => Nekrose.
weitere Fragen nun von Frau Flach HP
14. Nennen sie mir differentialdiagnostisch, was ein Patient haben könnte, der über Oberbauchschmerzen, einen schlechten metallischen Geschmack im Mund und über einen Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung klagt?
Der Patient könnte haben: Reizdarmsyndrom, Ösophagusdivertikel, -entzündungen, -tumore, Magengeschwüre, -entzündungen, -tumore, Dardivertikel, -entzündungen, -tumore, Ulcus duodeni, Colitis ulcerose, Morbus Crohn, (dann unterbracht Frau Flach mit der nächsten Frage; es reichte ihr wohl).
15. Was für Ursachen kennen Sie, die zu einem Magengeschwür führen können?
Helicobacter pylori sind wesentlich an der Entstehung eines ulcus ventriculi mitbeteiligt. Aber auch ein Ungleichgewicht zwischen Magensäure und Pepsin, bestimmte Medikamente, wie Glukokortikoide, Nikotin, Alkohol, negativer Stress und eine familiäre Disposition sind aggressive Faktoren und somit Risikofaktoren für ein Magengeschwür.
16. Machen Sie abschließend noch was Praktisches: eine Knieuntersuchung!
(Na ja, habe ich gedacht, hast du ja schon oft geübt. Dazu legte sich Frau Flach auf die Liege) Zuerst habe ich die Untersuchung zur Feststellung eines Ergusses im Kniegelenk „tanzende Patella“ durchgeführt. (Habe dabei nur der Frau Flach ein wenig zu fest die Kniescheibe Richtung Oberschenkel gedrückt. Hatte ein schlechtes Gewissen und mich entschuldigt. War nun aber wieder sehr nervös!) Das Schubladenphänomen konnte ich dann wieder ganz gut zeigen. Habe dann noch verschiedene Untersuchungspraktiken zur Funktionsprüfung der Seitenbänder, Kreuzbänder und Menisken am Knie gezeigt, um die Stabilität des Bandapparates zu testen. Dabei habe ich leider vor lauter Nervösität die Zeichen wie Böhler, Apley, Steinmann I und Steinmann II verwechselt und das Payr-Zeichen zur Überprüfung des Hinterhorns des Innenmeniskus ganz vergessen.
Dann wurde ich heraus gebeten. Nach ca. 6 Minuten bat man mich wieder herein und Frau Dr. Lampe sagte mir noch ein paar Worte zu meinen Antworten, dass Ihr bei dem Fall ein Hämocculttest gefehlt hätte, Herr Herbsthoff hätte gern noch etwas mehr zu Schlafstörungen gehört und die Knieuntersuchung sollte ich mir noch mal genauer anschauen. Aber es hat gereicht: Sie haben bestanden!
Ich kann es kaum in Worte fassen, aber ich habe mich riesig gefreut. Die Atmosphäre war aufgelockert, leicht und freundlich und Frau Dr. Lampe reichte mir ihre Hand. Ich habe mich bei allen bedankt und dann verabschiedet.
Ich möchte mich auch noch ganz herzlich bei Wolfgang Scharwächter für das Ambulatorium und die super Prüfungsvorbereitung bedanken. Außerdem auch bei all meinen Freunden, die mich in dieser Zeit unterstützt haben, ob mit Abhören, wie Bärbel, oder durch seelischer Unterstützung diesen neuen Lebensweg weiter zu beschreiten, wie meine liebe Gertrud.
An erster Stelle danke ich aber meinem Mann, der mich bis zur letzten Sekunde unterstützt und mitgefiebert hat, sowie bei meinem Kindern, die ihre Mama in Ruhe haben lernen lassen, was nicht immer einfach war, für alle Beteiligten.
Ich danke einfach allen, die mich in dieser schwierigen Zeit über 2 Jahre lang begleitet und unterstützt haben! Danke, danke!
Ich wünsche allen, die wie ich, diesen Weg Heilpraktiker zu werden, eingeschlagen haben das nötige Glück und viel Erfolg bei Ihrer Prüfung.
Gruß Dagmar

